Immerzu Lust auf noch mehr Bücher

Adolf Fink stellt Neuerscheinungen 2006 vor
WK: Richard Lifka vom 04.11.2006

WIESBADEN Neugierige Lesehungrige versammelten sich, wie jedes Jahr, in dem von Baugerüsten umstellten Literaturhaus Villa Clementine, um neue Bücher für die langen Winterabende vorgestellt und empfohlen zu bekommen. Schon am Eingang erhielt jeder eine zweiseitige Liste in die Hand gedrückt. Eine Liste von Buchtiteln, unterteilt in Rubriken, die nicht literaturwissenschaftlichen Gattungsbegriffen, sondern konkreter Anwendbarkeit entsprachen. Angefangen mit „Betrieb, Kritik“ über das disjährige Buchmessen-„Gastland Indien“, „No smoking“ und „Klaus Kinski“ bis zu „Leben & Sterben, Sexualität & Tod“, waren Bücher zusammengestellt, die in diesem Jahr erschienen sind. Wie immer von Adolf Fink (Frankfurter Buchhändlerschule) präsentiert.

Seit über 15 Jahren findet diese beliebte Veranstaltung in Wiesbaden mit regem Zuspruch statt: „Neue Bücher, zusammengefegt, ausgewählt, (auf-)gelesen und zu einem bunten Strauß gebunden“ – der Titel spricht von einer subjektiven Auswahl: Wie anders soll auch ein Überblick über jährlich etwa 60 000 deutschsprachige Neuerscheinungen möglich sein, wenn nicht nach eigenen Kriterien, Vorlieben und Lesegewohnheiten.

Und so gab Buchmarkt-Kenner Adolf Fink mit seinen dreißig vorgestellten Titeln eine reizvolle Übersicht über das, was zurzeit den Literaturbetrieb bewegt, Einblicke in Strömungen und Themen – und vor allem eine Vielzahl von Anregungen. Die Veranstaltung, eine Zusammenarbeit mit dem Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und dem Literaturhaus, dauerte zwar lange (zweieinhalb Stunden), war aber nie langweilig.

Eine pralle Mischung aus Kommentar und Kritik, Lesung und Hörbuch-Einspielung, Anekdote und Abschweifung ergoss sich über das konzentriert zuhörende und eifrig mitnotierende Publikum. Durch Finks charakteristisch persönlichen, teils heiteren, teils ernsten Vortrag, gepaart mit einer offenen, verständlichen und punktgenauen Sprache, wurde jeder besprochene Titel sofort zu einem Kauffavoriten.

Ob nun die autobiografischen Werke von Günter Grass, Joachim Fest oder Imre Kertesz, Live-Mitschnitte von Klaus Kinski als Jesus Christus oder Auseinandersetzungen von Silvia Bovenschen, Martin Walser, Philip Roth oder Helmuth Karasek mit dem Thema Alter präsentiert wurden, oder Bücher über die Raucher-Nichtraucher-Problematik, Kriminalromane des modernen „Hardboiled“-Genres oder der klassischen „Locked Room Mystery“, diese Literatur-Vorstellung bewirkte vor allem eins: Lust auf Bücher und Lust auf noch mehr Lesen.

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