Die Kunst ist heiter und sonst gar nichts

Robert-Gernhardt-Abend im Literaturhaus
Von Richard Lifka

WIESBADEN Eng gestellte Stuhlreihen, zusätzliche Sitzplätze im Nebenraum und im Foyer – alles besetzt. Noch manche Besucher mussten enttäuscht, weil sie doch keine Karte mehr bekamen, wieder gehen. Proppenvoll also war es im Wiesbadener Literaturhaus zur „Hommage an Robert Gernhardt“, mit den beiden Rezitatoren Jochen Nix und Wolfgang Vater. Mit „Ein Punkt im Raum, ein Nichts im Sein/War da je Strom, je Floß, je Schwein“, begann Wolfgang Vaters Bass und Jochen Nix antwortete: „Da haben wir den Salat, ich bin ein Literat“.

Und dieser Literat war häufig in Wiesbaden und Umgebung zu Gast. 2001 amüsierte er das Publikum eine Woche lang als Gastgeber der Literaturtage; 2002 nahm er den Rheingau Literatur Preis auf Schloss Vollrads entgegen, und 2004 las er zu Ehren Volker Kriegels im Theater-Foyer. Nun galt es, ihn, den im Sommer vorigen Jahres Gestorbenen, zu ehren – mit den eigenen unverkennbaren und unwiderstehlichen Gedichten. Die prasselten, perlten und krachten über zwei Stunden lang auf die Zuhörer ein und brachten sie mit humorvollen, manchmal sinnvollen, dann wieder sinnlosen Pointen zum Lachen, um sofort wieder in nachdenkliches Schweigen zu wechseln. Zum Glück gab es eine Pause, damit die Gedanken und Gedichte Gernhardts über sich selbst, über Literatur, über Kunst, über Gott, die Welt und Alkohol verdaut werden konnten.

Für diese Hommage hatte Wolfgang Vater Texte von Gernhardt und über den Lyriker, Satiriker und Maler ausgewählt. Was es da zu hören gab, war ein eindrucksvoller Überblick über sein Werk und gab Einblick in die Welt, wie Gernhardt sie sah und beschrieb, auch, was er unter Kunst verstand: „Kunst, das meint vor allen Dingen/andren Menschen Freude bringen/und aus vollen Schöpferhänden/Spaß bereiten, Frohsinn spenden/ denn die Kunst ist eins und zwar/heiter. Und sonst gar nichts. Klar?“

„Der Reim muss bleim“ Es hatte bis in die neunziger Jahre gedauert, bis der 1937 in Estland Geborene, als Schriftsteller hier anerkannt wurde. Weder als Satiriker bei „Pardon“ und „Titanic“, noch als Drehbuchautor für Otto Waalkes Filme, noch als Verfechter von gereimten Gedichten („Der Reim muss bleim“) entsprach er dem, was von damaliger Literaturkritik gut geheißen wurde („Sich heute noch auf das uralte Reim- und Regelspiel einzulassen, ist, meine ich, schon mal per se komisch“). Doch: „Keinen Künstler haben die Deutschen so geliebt, und keiner liebte sein Publikum so wie er“ (Thomas Steinfeld)-bewies auch das große Interesse des Wiesbadener Publikums an dieser Hommage-Veranstaltung.

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