Alles erfunden, aber nichts gelogen

US-Autorin T Cooper liest aus ihrem neuen Roman „Lipshitz“ im Literaturhaus
Von Richard Lifka

Viel Publikum im Literaturhaus anlässlich der Lesung der amerikanischen Schriftstellerin T Cooper: Die schmächtige junge Frau in Flatterjeans und weißem Streifenhemd stellte ihren Roman „Lipshitz“ vor (marebuchVerlag). Die nun auch auf Deutsch erschienene Familiensaga, stehe in einer Reihe amerikanischer Romane, die nach dem 11. September die Frage nach Herkunft und Identität stellen, so einleitend Kulturdezernentin Rita Thies. Die Geschichte beginnt, konventionell erzählt, mit der Flucht der Familie des Urgroßvaters Lipshitz 1907 aus Russland und deren Einreise in die USA. Kurz nach der Ankunft geht der jüngste Sohn Ruben verloren und bleibt für immer verschollen. „Für immer“ ist für die Autorin allerdings eine relative Wahrheit.
Als die Mutter 1927 in der Zeitung ein Bild des Atlantiküberfliegers Charles Lindbergh sieht, ist sie sicher, in ihm den vermissten Ruben zu erkennen. Die Autorin tut nun alles, uns im Ungewissen zu lassen. Ist er es, oder ist er es nicht? Um dieses Thema kreiste dann auch das Gespräch zwischen T Cooper und der souverän fragenden und übersetzenden hr2-Moderatorin Kathrin Fischer: Was ist wahr, was Fiktion? Bis auf historische Ereignisse, Orte und Zeiten, sei alles erfunden, aber nichts gelogen, so Cooper. Entscheidend sei, dass durch die Erzählung Fiktion zur Wahrheit werde. Was denn sei wahrer: ein Bild des winkenden US-Präsidenten beim Verlassen eines Flugzeugs in Geschichtsbüchern, oder die Suche einer verzweifelten Mutter nach ihrem verlorenen Sohn, von der nie jemand erfahren hätte, wäre es nicht aufgeschrieben? Ein Bruch des Erzählstils fällt auf, als die Geschichte des letzten noch lebenden Nachkommens der Familie Lipshitz Thema wird. T Cooper, so der Name der Romanfigur (!), ist ein ehemaliger Schriftsteller, der im Jahre 2002 als Eminem-Double auftritt. Ganz im Hip- Hop-Ton formuliert hier die Autorin, übernimmt amerikanische Jugendsprache und wechselt in rhythmischen Sprechgesang. Sehr schön nachvollziehbar in der von Cooper gelesenen englischen und von dem Schauspieler Oliver Wronka vorgetragenen deutschen Fassung.

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