Anspruchslosigkeit, Fröhlichkeit und –

natürlich – Liebe

Schauspieler Bernd Ripken bei den Burghofspielen: „Aus dem Leben eines Taugenichts“
Von Richard Lifka

ELTVILLE Ein Taugenichts ist ein Mensch, der zu nichts taugt oder einen Lebensstil pflegt, der niemandem etwas nützt. In der Literatur, vorrangig des 19. und 20. Jahrhunderts, wurden auch Nachkommen bürgerlicher Familien mit diesem Namen bedacht, die sich nicht der Familientradition anschlossen, bürgerliche Berufe zu ergreifen, sondern sich entschlossen, eigene Wege zu gehen. Einen der berühmtesten aller Tunichtgute hat Joseph von Eichendorff geschaffen und ihn in einer Novelle aus seinem Leben erzählen lassen. Das Geschehen wird aus der Ich-Erzähler-Perspektive geschildert, so dass der Leser lediglich die subjektive Schilderung des Geschehens erfährt und somit auch in die Gefühls- und Gemütslage des Helden eingebunden ist. Die wiederum steht im Wechselspiel zwischen herrschendem Naturzustand und dem Befinden der Menschen um ihn herum.

Welcher Text könnte geeigneter sein, ihn im Freien, so im Langwerther Hof in Eltville, im Wechselspiel des Wetters, von stechender Sonne bis böigem Wind, musikalisch begleitet, vorgetragen zu werden. Der jeweiligen seelischen Verfassung des Taugenichts Rechnung tragend, ließen Jana Bousková ihre Harfe und Roman Novotny seine Querflöte lustig, quirlig singen oder traurig, dunkel klagen.

Hervorgerufen wurden diese wechselnden Stimmungslagen von Schauspieler Bernd Ripken. Gelassen im Ledersessel sitzend, las er die ersten beiden Kapitel von „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und entführte im Nu nicht nur sich, sondern auch die Musiker und das Publikum in die Welt eines jungen Mannes, der gegen den Erwartungsdruck des Vaters ziellos in die weite Welt sich schickt, um sein Glück zu machen. Glück, das für einen Taugenichts bedeutet: Anspruchslosigkeit, Fröhlichkeit und – natürlich – Liebe.

Hintergründiger Humor aus einer Traumstadt und Irrenanstalt

Literarisch-musikalische Matinee mit Rosemarie Fendel und Olaf van Gonnissens
Von Richard Lifka

Wer bis jetzt den Münchner Dichter Peter Paul Althaus noch nicht kannte, der hat ihn bei den diesjährigen Rheingauer Bughofspielen kennengelernt. Nicht nur kennengelernt, sondern sicherlich auch ins Herz geschlossen. An dem, was im Langenwerher Hof zu Eltville, zwei Stunden lang an beißend ironischen Texten mit hintergründigem Humor in gereimten Unverschämtheiten auf die vielen Zuhörer niederprasselte, wird noch lange zu knappern sein. Denn durch den scheinbar unerschöpflichen Humor des P.P.A., wie sich der Kabarettist selbst nannte, schimmerte oft große Wehmut und Melancholie. Unvergleichlich einfühlsam von der Schauspielerin Rosemarie Fendel vorgetragen, wurde den nun schon über 50 Jahre alten Texten Leben eingehaucht, wurden sie jung, frisch und aktuell. Unter welch innerlichen Qualen der Dichter seine humorvollen Werke hervorbrachte, lässt sich schon allein aus dem Motto ablesen, unter dem die literarisch-musikalische Matinee stand: „Wirklich lebe ich nur nachts in meinen Träumen“. In diesen Nächten lebte Althaus in einer eigenen Welt, „In der Traumstadt“ (erschienen 1951). Fendel, die zurückhaltend und nervös begann, steigerte sich mit jedem Gedicht, tauchte immer tiefer in die Traumwelt des Dichters ein und brillierte dann mit Texten aus „Dr. Enzian“ (1952). Nach der Pause entführte sie das Publikum in eine Irrenanstalt, voll besetzt mit „sanften Irren“ (1956). „Wir sanften Irren leben etwas hinterm Mond / wir haben seine andre Seite oft betrachtet. / Wir sind das Leben hinterm Mond gewohnt; / es ist dort immer etwas leicht umnachtet.“ Gespannt lauschend erfuhren die außerhalb dieser Anstalt Lebenden, nicht nur, warum die sanften Irren die Tageszeitung verkehrtherum halten, sondern beispielsweise auch, dass Gottes Anschrift nicht im Adressbuch eines Marsianers steht. Die Spannung konnten auch laut krächzende Krähen (es klang fast zustimmend), läutende Glocken oder sich im Landeanflug befindliche Flugzeuge nicht unterbrechen. Noch gesteigert wurde sie durch die akustische Gitarre Olaf van Gonnissens, der die Texte musikalisch untermalte, manchmal mit ihnen Zwiesprache hielt und fein abgestimmt Fendels Vortrag begleitete.