Hintergründiger Humor aus einer Traumstadt und Irrenanstalt

Literarisch-musikalische Matinee mit Rosemarie Fendel und Olaf van Gonnissens
Von Richard Lifka

Wer bis jetzt den Münchner Dichter Peter Paul Althaus noch nicht kannte, der hat ihn bei den diesjährigen Rheingauer Bughofspielen kennengelernt. Nicht nur kennengelernt, sondern sicherlich auch ins Herz geschlossen. An dem, was im Langenwerher Hof zu Eltville, zwei Stunden lang an beißend ironischen Texten mit hintergründigem Humor in gereimten Unverschämtheiten auf die vielen Zuhörer niederprasselte, wird noch lange zu knappern sein. Denn durch den scheinbar unerschöpflichen Humor des P.P.A., wie sich der Kabarettist selbst nannte, schimmerte oft große Wehmut und Melancholie. Unvergleichlich einfühlsam von der Schauspielerin Rosemarie Fendel vorgetragen, wurde den nun schon über 50 Jahre alten Texten Leben eingehaucht, wurden sie jung, frisch und aktuell. Unter welch innerlichen Qualen der Dichter seine humorvollen Werke hervorbrachte, lässt sich schon allein aus dem Motto ablesen, unter dem die literarisch-musikalische Matinee stand: „Wirklich lebe ich nur nachts in meinen Träumen“. In diesen Nächten lebte Althaus in einer eigenen Welt, „In der Traumstadt“ (erschienen 1951). Fendel, die zurückhaltend und nervös begann, steigerte sich mit jedem Gedicht, tauchte immer tiefer in die Traumwelt des Dichters ein und brillierte dann mit Texten aus „Dr. Enzian“ (1952). Nach der Pause entführte sie das Publikum in eine Irrenanstalt, voll besetzt mit „sanften Irren“ (1956). „Wir sanften Irren leben etwas hinterm Mond / wir haben seine andre Seite oft betrachtet. / Wir sind das Leben hinterm Mond gewohnt; / es ist dort immer etwas leicht umnachtet.“ Gespannt lauschend erfuhren die außerhalb dieser Anstalt Lebenden, nicht nur, warum die sanften Irren die Tageszeitung verkehrtherum halten, sondern beispielsweise auch, dass Gottes Anschrift nicht im Adressbuch eines Marsianers steht. Die Spannung konnten auch laut krächzende Krähen (es klang fast zustimmend), läutende Glocken oder sich im Landeanflug befindliche Flugzeuge nicht unterbrechen. Noch gesteigert wurde sie durch die akustische Gitarre Olaf van Gonnissens, der die Texte musikalisch untermalte, manchmal mit ihnen Zwiesprache hielt und fein abgestimmt Fendels Vortrag begleitete.

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