Realistisch, knapp und ironisch

Autorin Dorothea Friedrich liest im Presseclub

Von Richard Lifka

WIESBADEN Wenn im Dezember im Wiesbadener Presseclub ein Glöckchen klingelt, so deutet dies nicht nur darauf hin, dass Weihnachten vor der Tür steht, sondern auch die letzte von 40 Veranstaltungen des Jahres beginnt. Geläutet hatte Kurier-Feuilletonchefin Viola Bolduan, um dann den zahlreichen Gästen die Akteure des Abends vorzustellen. Die Journalistin und Buchautorin Dorothea Friedrich war gekommen, um über ihre Bücher, ihre Tätigkeit bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und für ihre Art des Schreibens Rede und Antwort zu stehen und natürlich auch Kostproben aus ihren Texten vorzutragen. Für die stimmungsvolle musikalische Umrahmung sorgten Franziska Ferdinand (Geige) und Raphaela Queck (Klavier), zwei Schülerinnen des Gutenberg-Gymnasiums und der Musik- und Kunstschule.

Die in Heidelberg geborene Friedrich studierte in München und arbeitete dann bei verschiedenen Zeitungen und Rundfunksendern. Mit Texten über berühmte Liebespaare wurde sie als Buchautorin bekannt. Besonders ihr Buch über die Ehe des Filmstars Anny Ondra mit dem deutschen Boxweltmeister Max Schmeling belegt die präzise und intensive Arbeit der Autorin. Viele unbekannte Details werden enthüllt, und durch ihren schonungslos realistischen, knappen und oft ironischen Stil werden die faktischen Grundlagen ihrer Recherche zu einem Lesevergnügen.

Aber es gibt auch kürzere Texte von ihr. Aus dem Sammelband „Berühmte Liebespaare“ las die Autorin die Beziehungsgeschichte zwischen Stummfilmstar Gloria Swanson und Joseph Patrick Kennedy. Der Inhalt des Textes, nämlich die ungeschminkte Wahrheit über den Gangster und Begründer des Kennedy-Clans, stand im starken Kontrast zum, leisen, fast emotionslosen Vortrag. Eine andere, aber durchaus nicht glücklichere Liebesbeziehung, schildert der Text über das Liebespaar Simone Signoret und Yves Montand. Schade, dass ein Abend so schnell zu Ende geht.

Originelle Poetin mit eigenständigem Tonfall

Originelle Poetin mit eigenständigem Tonfall

George-Konell-Preis an Silke Scheuermann

Von Richard Lifka

WIESBADEN Es ist schon merkwürdig: Da verleiht die Stadt Wiesbaden alle zwei Jahre einen hochdotierten und angesehenen Literaturpreis, und es scheint nur wenige Menschen zu interessieren. Woran das liegt?

Sicherlich nicht am festlichen Programm. Der große Festsaal des Rathauses ist ein würdiger Ort, die Begrüßungsworte durch den Oberbürgermeister Helmut Müller, die Anwesenheit von Kulturreferentin Rita Thies und mehreren Magistratsmitgliedern unterstrich die Bedeutung, und die stimmungsvolle Untermalung durch das Klarinetten Trio der Musik- und Kunsthochschule gab der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.

Schon zum zehnten Mal wurde der von der Witwe des Wiesbadener Schriftstellers Georg Konell gestiftete Preis an eine Autorin oder einen Autor für sein Lebenswerk oder für ein vielversprechendes Talent vergeben. Auch an den Preisträgern kann es nicht liegen. Mit Gudrun Pausewang (1998), Stefan Kaluza (2000), Katja Behrens (2002), Ricarda Junge (2004) und Peter Kurzeck (2006) waren es weder Eintagsfliegen noch unbekannte Schriftsteller, die mit dem Preis ausgezeichnet wurden.

Dieses Jahr hatte sich die Jury für die 35-jährige in Frankfurt lebende Autorin Silke Scheuermann entschieden, die seit ihrem Lyrik-Debüt „Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen“ (2001) mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde und als eine der wichtigsten literarischen Entdeckungen der letzten Jahre gefeiert wird.

So bezeichnete sie auch der Literaturkritiker Uwe Wittstock in seiner Laudatio als eine hochbegabte Schriftstellerin und eine originelle Poetin. Besonders ausführlich ging er auf den „biografischen Vampirismus“ ein, das Motiv, das sich wie ein roter Faden durch das bisherige Werk der Schriftstellerin ziehe. Mit ihrem zeitdiagnostischen Erzählen in den Prosatexten (Wittstock) und dem eigenständigen Tonfall ihrer Lyrik (Jury) sei sie eine würdige Preisträgerin, was Silke Scheuermann anschließend mit dem Vortrag der Gedichte „Träumende Bücher“ und „Die Art, wie Gedichte arbeiten“ beeindruckend unter Beweis stellte.

Eichhörnchen als gewissenlose Mörder

Lesung mit Markus Bennemann im Pressehaus
Von Richard Lifka

WIESBADEN In der Reihe „Buch Habel bei Kurier Kultur“ fand die letzte Veranstaltung in diesem Jahr weihnachtsgeschäftsbedingt im Pressehaus statt. Unter die zahlreichen Besucher hatten sich neben Tierliebhabern, Krimifans auch Journalisten gemischt. Nicht von ungefähr. Galt es doch, dem ehemaligen Redakteur beim Wiesbadener Kurier Markus Bennemann bei der Vorstellung seines aktuellen Buchs neugierig-gespannt zuzuhören und von dessen Ermittlungsergebnissen bei 42 Mordfällen zu erfahren.

Selten verlief eine Buchvorstellung über grausame Tötungsdelikte und perfide Mordpläne derart locker und humorvoll. Schon die witzig-ironischen Fragen von Kurier-Feuilletonchefin Viola Bolduan, die den Abend moderierte, ließen deutlich erkennen, welchen Spaß und Eindruck die Lektüre des Sachbuchs „Im Fadenkreuz des Schützenfischs“ gemacht und hinterlassen haben. Fasziniert lauschten die Zuhörer, wenn der Wiesbadener Autor vom Massenmörder Marienkäfer berichtete – oder wie hinterhältig-raffiniert Glühwürmchenfrauen beim Anlocken ihrer Opfer agieren.

Als Bennemann dann auch noch die herzigen Eichhörnchen als brutale und gewissenlose Mörder von Vogelküken enttarnte, ging nicht nur ein Aufschrei durch die Eichenhörnchenschutzgemeinschaft, die sich vehement gegen die Diffamierung ihres Lieblingstierchens wehrte, sondern wurde auch so mancher Kopf im Pressehaus ungläubig hin und her gewiegt. Genau hier scheiden sich die Geister beziehungsweise die eigenen Empfindungen. Indem wir unsere menschlichen Moralvorstellungen auf die Tierwelt übertragen, entsteht dieser Zwiespalt zwischen der Faszination über den Erfindungsreichtum der Natur und der Erkenntnis der brutalen Lebensrealität im Kampf um Erhaltung und Fortpflanzung der jeweiligen Art. „Im Fadenkreuz des Schützenfischs“ werden neueste wissenschaftliche Ergebnisse dargestellt und somit faktisches Wissen vermittelt. Zusammen mit der verständlichen, ironischen und unterhaltsamen Darstellungsweise bleiben beim Leser keine Wünsche offen – außer vielleicht noch weitere Geschichten von tierischen Täter und Opfern in einem nächsten Band lesen zu dürfen.

Markus Bennemann: „Im Fadenkreuz des Schützenfischs. Die raffiniertesten Morde im Tierreich“; Eichborn, Frankfurt; 256 Seiten; 19,95 Euro.