Licht und Schatten richtig verteilen

Historiker Frank-Lothar Kroll über sein neues Buch „Die Hohenzollern“

Von Richard Lifka

WIESBADEN. Interessiert heute eigentlich noch irgendjemanden die Geschichte eines Adelsgeschlechts, wenn es nicht Kaiserinnen wie Sissi hervorbrachte? Welche Bedeutung hat es, ob ein König oder Kaiser ein Wittelsbacher, Zähringer oder Habsburger war? Allerdings erfreuen sich dynastiegeschichtliche Darstellungen seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Dies meinte zumindest der an der Technischen Universität Chemnitz lehrende Historiker Frank-Lothar Kroll bei der Vorstellung seines neuen Buches „Die Hohenzollern“.

Da der Vortrag in der Bibliothek der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) stattfand, war zu vermuten, dass das Thema etwas mit Politik zu tun hat. Dies betonte dann auch der Direktor der HLZ, Bernd Heidenreich, während der Vorstellung des Gastes und seinen einführenden Worten. Schließlich haben die ursprünglich aus Schwaben stammenden Hohenzollern ein Königreich gegründet, das unter dem Namen Preußen für einige Furore in der europäischen Geschichte sorgte und von 1871 bis 1918 das deutsche Kaiserreich regierte. Um heutige Politik zu verstehen, müsse man die Geschichte Preußens kennen und über dessen Herrscher Bescheid wissen.

Jedenfalls scheint die Bedeutung dieser Fragestellung nur Menschen wichtig zu sein, die eine gewisse Weisheit erreicht haben, denn der Altersdurchschnitt der zahlreichen Zuhörer lag weit über sechzig Jahre. Oder lag es daran, dass die Veranstaltung schon um 17 Uhr begann, zu einer Zeit also, wo im Berufs- und Schulalltag eingebundene Menschen es kaum schaffen können, daran teilzunehmen?

Preußen besser als ihr Ruf

Krolls Vortrag war locker, verständlich und kurzweilig. Nach einem kurzen Abriss preußischer Geschichte, von der Entstehung des Königreichs, seinem Aufstieg zum Höhepunkt der Macht im 18. und 19. Jahrhundert, bis zum schmählichen Untergang, ging der Historiker intensiver auf einige der Könige ein, die aus der Hohenzollern-Dynastie hervorgegangen waren.

Nicht sehr viel Neues kam da zum Vorschein, bis auf die Erkenntnis, dass die preußischen Herrscher im Vergleich mit ihren jeweiligen europäischen Kollegen gar nicht so schlecht waren, wie es uns die bisherige Geschichtsschreibung weiß machen will. Es komme darauf an, Licht und Schatten dieser Regenten richtig zu verteilen, resümierte Kroll, bevor ihn das Publikum in eine Diskussion darüber verstrickte, wie viele Kriege Preußen nun tatsächlich angezettelt habe oder von seinen europäischen Widersachern ursprünglich verursacht worden waren.

Frank-Lothar Kroll: „Die Hohenzollern“, C.H. Beck Wissen, München. 128 S., 7,90 Euro