Ein Kern, der schreibt

LITERATURHAUS Autoren-Runde im Café

Vom 21.04.2010  Viola Bolduan


WIESBADEN. Die Zeiten des „Stammtisches“ sind vorbei. Als Arbeitsbegriff
hielt er auch nur vier Monate durch. Rief allerdings im Dezember 2009
zugkräftig mit literarisch anspruchsvoller Vorsilbe versehen als
„Krimistammtisch“ etliche zu lockerer Versammlung ins Literaturhaus
herbei. Richard Lifka, neben Susanne Kronenberg, einer der Rufer, hatte
zwischendurch schon mal umgetauft: „Autorenstammtisch“ habe doch einen
attraktiveren, weil spartenoffeneren Klang. Das war in Ordnung. Und des
Kompositums zweiter Teil? -„stammtisch“ oder ein ähnlich schlichtes
-„treffen“? Jedenfalls findet es statt. Jeden zweiten Dienstag im Monat
treffen sich im Literaturhaus die, die sich über ihr Schreiben
austauschen wollen. Ein veritables „Autorentreffen“ also. Mit
Fragezeichen im Kopf, ob das noch junge Pfänzlein nicht doch einen
griffigeren Name verdiene. Das kann ein nächstes Mal diskutiert werden.
An diesem, im April, vierten Treffen ging es zunächst einmal um die
Frage der Taufe. Um andere Fragen auch.

Ein
fester Platz

Gekommen waren acht, darunter auch
Nicht-Wiesbadener/innen, wie Maria Knissel aus Reinheim, Christian Pfarr
(Mainz) und Michael Kibler aus Darmstadt. Er freilich, als
letztjähriger Krimi-Stipendiat im Literaturhaus, kennt diesen Treffpunkt
genauso gut wie schreibende Kriminologen dieser Stadt, Alexander
Pfeiffer und Joachim Biehl, ihre Kollegin Christine Geldmacher und das
Starter-Team Susanne Kronenberg und Richard Lifka. Um einen Tisch herum
bei Milchkaffee, Cola, Wasser und Bier – schließlich bleibt das Café am
Abend offen für seinen „Stammtisch“, der nach Wunsch des Literaturhauses
hier einen festen Platz haben soll. Nicht nur am Tisch, auch auf dem
offiziellen Terminkalender des „Lesezeichens“. Will das die Runde auch?
Ja.

Aber auch offen bleiben. Weder Verein noch
Anlaufstelle für Beliebigkeit werden. Entsprechende Moderation und
Organisation verlangt da Fingerspitzengefühl. Das trauen sich die
Anwesenden zu. Darüber hinaus eigene Themensetzung für ein Programm.
Aber auch es wieder offen variabel.

Ein
offenes Programm

Etwa: Ein paarmal im Jahr zu Lesungen aus
dem eigenen Kreis einladen, oder Experten zum Gespräch, oder Treffen
mit Autorengästen, wie es sich im Mai anbietet, wenn die drei neuen
Krimistipendiaten im selben Hause wohnen. Das ist verabredet. Termine
gilt es dennoch zu klären – denn es dräut ein 19.Mai, wenn Alexander
Pfeiffer mit Anni Bürkl lesen, aber auch den HSV in der Europe League
gewinnen sehen möchte. Auch die Definition „Wer sind denn `wir´“? wäre
noch genauer zu fassen.

Ein ungelöster Fall

Im
Moment ist es ein harter Kern von Schreibenden in Wiesbaden und Umkreis,
die sich schon lang untereinander kennen. Dieser Kern wäre froh, er
könnte wachsen. Und damit ein Profil schärfen, mit beispielsweise einer
Reihenbildung des „Schwarzen Samstag“, der im Februar mit der
Juroren-Sitzung für den Friedrich-Glauser-Preis im Literaturhaus
startete. Dem angestrebten Organisations- und Moderationswechsel unter
den bisherigen Gruppenmitgliedern käme das zupass. Über diesen ersten
„Schwarzen Samstag“ hatte Alexander Pfeiffer gewacht. Am
Stamm-Treff-Autoren-Tisch-Abend sorgten Susanne Kronenberg und Richard
Lifka für ein Abarbeiten der Agenda. Aber nach Arbeit hörte sich das
eigentlich nicht an – mehr nach freundlichen Gesprächen unter
schreibenden Kollegen. Wäre da nicht der ungelöste Fall seiner
Benennung. Wozu aber sitzen in ihm ausgewiesene Krimi-Experten und
-Expertinnen?

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