Lothar Schöne liest aus „Das Labyrinth des Schattens“ im Pressehaus

 

12.06.2010 – WIESBADEN

Von Richard Lifka

Ein Albtraum verfolgt Sabina-Esther Morane und bedroht ihr Leben. Ärzte und Psychologen können ihr nicht helfen. Die letzte Rettung verspricht eine „hypnotische Rückführung“, ein Experiment, auf das sich die 43-jährige Journalistin einlässt. Sie erhält eine Adresse in Krakau und fliegt dort hin. Im Flugzeug sitzt neben ihr ein sympathischer und attraktiver Mann, der sie schon bald in ein Gespräch verwickelt. Ein Gespräch hinter vorgehaltener Zeitung, scheinbar ins Leere und in einem eigenartigen Duktus.

Diese erste Begegnung seiner Protagonisten des Romans „Im Labyrinth des Schattens“ ist auch der Beginn der Lesung des Schriftstellers Lothar Schöne im Pressehaus, nachdem ihn Feuilleton-Ressortleiterin Viola Bolduan vorgestellt und mit geschickten Fragen zum Thema geführt hatte.
Schönes Beziehungen zum Wiesbadener Kurier sind vielfältig, sei es als Journalist, Autor oder eben als Gast auf dem Forum „Buch Habel bei Kurier Kultur“ wie Donnerstagabend. War es im Herbst vergangenen Jahres der Aphorismenband „Schönes Wörterbuch“, den er an dieser Stelle vorstellte, so erwartete die zahlreichen Gäste dieses Mal ein ganz anderes literarisches Genre.

Kampf gegen die Langeweile

Er schreibe ja nicht nur Romane, stellte die Moderatorin fest, sondern auch Gedichte, Essays, Dramen, Hörspiele und Drehbücher. Auf die Frage, warum er sich in so unterschiedlichen Bereichen bewege, antwortete der Autor: Sich in verschiedenen Gattungen auszuprobieren, sei sein „persönlicher Kampf gegen die Langeweile“.

Natürlich ist das Genre „Roman“ kein neues Betätigungsfeld für ihn, neu aber ist, dass er die Geschichte aus der Ich-Perspektive einer Frau erzählt. Um es vorwegzunehmen: Das Experiment ist gelungen.
Das Experiment der Hauptfigur, Sabina-Esther Morane, gelingt offenbar auch. Die Therapie der „hypnotischen Rückführung“ führt sie in die Vergangenheit ihrer Familie zurück. Sie erlebt ihre Eltern und Großeltern auf einer Geburtstagsfeier in Krakau des Jahres 1939. Auch aus dieser Szene liest der Autor eine Passage vor. Ein humorvoll erzählter Diskurs über Gott und die Welt prasselt auf das Publikum ein, wenn die drei jüdischen Festteilnehmer Grünberg, Salomon und Abraham theologische und gesellschaftspolitische Fragen erörtern. Das Spektrum reicht von: „Warum brauchen wir einen Gott?“ über „Religionsgründer waren alle Lebenslügner“ bis hin zu „Politiker brauchen keinen Anstand, sie müssen nur gute Gesetze machen und lesen können.“

Unterhaltung mit jüdischem Witz

Diese so scheinbar lockere und aufgeräumte Unterhaltung, die mit viel jüdischem Witz geführt wird, bekommt eine ganz andere Dimension, wenn man den zeitgeschichtlichen Hintergrund bedenkt. Aber die Dimension erweitert sich nochmals, wenn diese Diskussionen in der Gegenwart des Romans, also unserer Zeit, fortgesetzt werden.

Dass es ausgerechnet der Widersacher, oder besser gesagt, der Teufel ist, mit dem die Journalistin diese Gespräche führt, gibt dem Roman eine unerwartete, aber irgendwie doch von Anfang an gespürte Wendung. Auch dies vernahmen die Gäste – aber wie es ausgeht, ob Sabina-Esther ihren Albtraum loswerden kann, oder gar den Pakt mit dem Teufel „überlebt“, lässt der Autor an diesem Abend offen. Das müsse nun jeder selbst lesen.

„Das Labyrinth des Schattens“ – ein Buch mit doppeltem Boden, ein Roman, wie es ihn lange nicht mehr gab: spannend, unterhaltsam, humorvoll und tiefgründig.

Lothar Schöne bei seiner Lesung im Wiesbadener Pressehaus. Foto: 
wita / Peter Müller

Lothar Schöne bei seiner Lesung im Wiesbadener Pressehaus. Foto: wita / Peter MüllerVergrößern

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Wiesbaden: Lothar Schöne liest „Das Labyrinth des Schattens“

Im Rahmen von Kurierkultur liest Autor Lothar Schöne im Pressehaus aus seinem neuen Roman „Das Labyrinth des Schattens“.

Wiesbaden: Lothar Schöne liest „Das Labyrinth des Schattens“ (2:41)

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