Oberflächliche Welt

LESUNG Silke Scheuermann im Literaturhaus
Vom 30.04.2011
Von Richard Lifka

Am Anfang steht die facettenreiche Glitzerwelt des Kunstbetriebes, am Ende das Scheitern der Menschen, die sich in teuren Kleidern in Luxushotels und auf coolen Partys darin bewegen. So kann man Silke Scheuermanns neuen Roman lesen. Mit „Shanghai Performance“ begibt sich die Schriftstellerin, die neben vielen anderen Preisen auch mit dem George-Konell-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet wurde, auf eine abenteuerliche Reise nach China. Aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Luisa, der Assistentin der Künstlerin Margot Wincraft, wird die Entstehung einer Menscheninstallation zum Besten gegeben. Ein paar Dutzend nackter, wunderschöner chinesischer Mädchen in High Heels sollen sich auf einem Erdhaufen räkeln und mit leeren Augen ins Nichts starren. Diese Performance wurde von einem geheimnisvollen Unbekannten in Auftrag gegeben und soll in einem Gewächshaus am Huangpu-Fluss stattfinden. Rätselhaft bleibt auch Margots chinesische Vergangenheit, zu der eine seltsame Affäre gehört und eine an den Rollstuhl gefesselte Tochter.

Kühle Szene

Scheuermanns Erzählweise passt sich der Entwicklung des Romans an. Es beginnt bei der oberflächlichen Kunstszene, die sehr kühl und distanziert beschrieben wird und fokussiert sich, bei steigender Emotionalität der Sprache, immer stärker auf die individuellen Schicksale der Menschen in diesem Betrieb. Und diese Menschen scheitern. Margot schafft es nicht, ihre Mutterrolle wahrzunehmen und endet als tablettensüchtige Furie, Luise kehrt zu ihrem früheren Freund in Deutschland zurück, den sie eigentlich verlassen hatte. Auch die Beziehung der beiden Frauen Margot und Luisa zerbricht, was wie eine Abrechnung mit der beschriebenen Art von Kunst wirkt.

Leider konnte die Autorin dies in ihrer Lesung nur schwer vermitteln, da sie die Lesung trotz einer schweren Bronchitis auf sich genommen hatte. Zwei lange Passagen vorzulesen, war für die immer mehr versagende Stimme zu viel. Sichtlich schwer fiel es der Autorin ebenso, die Fragen der Moderatorin Ruth Führer zu beantworten. Gerade eine Diskussion über Fiktion und Realität in „Shanghai Performance“ wäre sicherlich spannend gewesen.