Das Trio wird zum Solo

KRIMISTIPENDIUM Pläne der Kulturdezernentin
Vom 23.11.2011

Wiesbaden (VB). Wenn heute Abend (20 Uhr) Brigitte Glaser, Beate Maxian und Rainer Würth als die drei Wiesbadener Krimi-Stipendiaten 2011 im Literaturhaus ihre hier entstandenen Kurzkrimis präsentieren, werden sie voraussichtlich die Letzten sein. Vor drei Jahren war der Dreierbund eines „Trio Mortale“ für einen mehrwöchigen Aufenthalt von Krimiautoren in den Atelierwohnungen des Literaturhauses installiert worden. Das Arbeitsstipendium sollte Ersatz sein für den 2006 aus dem Kulturprogramm der Stadt gekippten Frauenkrimipreis. Nun schmiedet Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz einen neuen Plan. „Ich möchte die Qualität erhöhen“, sagt sie auf Anfrage, indem sie vorhat, das Stipendium auf eine Person zu konzentrieren. Zur Konzentration gehört für die Stadträtin auch, den Stipendiums-Aufenthalt zeitlich mit dem Fernsehkrimi-Festival zu verknüpfen. Dies findet 2012 zwischen dem 7. und 10. März im Caligari statt. Wer also noch einmal ein Trio hören will und Mortales von ihm, hätte heute Gelegenheit.

Elfen werden zu Elitekriegern

FANTASY Bernhard Hennen bei Hugendubel
Vom 24.11.2011
Von Richard Lifka

Wiesbaden. Die Buchhandlung Hugendubel hatte sich in eine verwunschene Welt verwandelt. Vor rotem Samt, zwischen Schwertern, Schildern und Teilen von Ritterrüstungen bestieg ein schwarzgewandeter Zauberer mit Brille und Wuschelkopf die kleine Bühne, begleitet von einem feenhaften Fabelwesen. Es zupfte die mitgebrachte Laute und lockte sirenengleich mit lyrischem Gesang die Zuhörer ins Reich der Alben und Elfen.

Der Zauberer heißt mit bürgerlichem Namen Bernhard Hennen, die Sopranistin Maite Itoiz. Der erfolgreiche Autor von zahlreichen Fantasy-Romanen war gekommen, um den ersten Teil der neuen Trilogie »Drachenelfen« vorzustellen. Hennen erklärte seinem figuren- und geschichtensicheren Publikum, dass er in diesem Epos zeitlich zurückgesprungen sei, nämlich in die Frühzeit von Albenmark, als dort noch Drachen herrschten und die Elfen deren Diener waren.

Welt ist bedroht

Diese Welt ist bedroht, so dass die Elfen in der Schule „Die Weiße Halle“ zu Elitekriegern ausgebildet werden. Zunächst konspirieren sie mit den Drachen, um dann selbst nach der Macht zu greifen. Es kommt zu den legendären Drachenkriegen, in denen sich die Figuren Nandale, Emerelle und Farrach zu ungewöhnlichen Persönlichkeiten entwickeln. Die zwei vorgelesenen Textpassagen, die in eben jener Weißen Halle spielen, waren bewusst kurz gehalten, sollte doch mehr das Gespräch des Publikums mit dem Schriftsteller im Mittelpunkt stehen (das Buch kann ja jeder lesen).

Selbstbewusst und sich seiner Wirkung und der Fangemeinde sicher, agierte der in Krefeld geborene Künstler zwischen den Welten. Einmal völlig versunken in das Reich der Fantasie, untermalt mit fabelhafter Musik und eindringlichem Gesang der Spanierin Maite Itoiz, dann wieder zurück in der Realität der Menschen, mit Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben.

Schwert kommt Publikum nah

Er bezeichnete sich als fantastischen Realisten, dessen Romane einerseits zwar in erfundenen Sphären spielten, andererseits innerhalb jener Welten dennoch sehr realistisch seien, was er am Beispiel eines Luftröhrenschnitts erläuterte. Abgerundet wurde dieser gelungene und wunderbare Abend durch die Vorführung einer Taijiquan-Übung (chinesische innere Kampfkunst) mit einem Schwert, das besonders den Gästen in der ersten Reihe bedrohlich nahe kam. Wie zu ahnen war, wirkte aber auch hier der Zauber der verwunschenen Nacht und niemand verletzte sich.

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Wo Alex Wunder sich über seinen Namen wundert

Vom 23.11.2011
Von Viola Bolduan

WIESBADEN. Wer schreibt, erfindet. Nicht nur einen Plot und dessen Umgebung, sondern in sie hinein meist auch Figuren. Damit Leserschaft ihnen folgen kann, sind sie ebenfalls meist mit Namen versehen. Manche sind darüber unsterblich geworden. So wie Petrarcas Laura (die von ihm poetisch Angebetete) oder Schillers Luise (Millerin, die in „Kabale und Liebe“ Vergiftete). Es gäbe auch Männernamen dieser Herkunft: Jeder kennt die Bühnenfigur Hamlet und weiß, dass Adrian Leverkühn zum Doktor Faustus eines Thomas Manns wurde.

Fiktionale Namen sind immer sprechend – von vorhandener oder mangelnder Fantasie ihrer Autoren. Karl Buchsbaum kommt eben nicht so weit wie Alex Wunder. Der eine steht im Garten dumm rum, der andere kann wenigstens hassen. Eben seinen Familiennamen. Und schon hat Wolfgang Kemmer (echter Autorenname) alle Aufmerksamkeit für seinen Kurzkrimi „Alex im Wunderland“ (in der Anthologie „Tod im Taunus, KBV). Dass er ihm eine Frau namens Fiona und ein Söhnchen, das auf Loris hört, beigegeben hat, ist ein feiner Zug nachgereichter Namensveredlung.

Derweil sagt (im selben Band) eine Else Bachmann ihre Generation (älter) und eine gewisse Resolutheit an. Die Autorin, die für ihren eigenen Namen Tatjana Kruse nichts kann, lässt die Dame denn auch ebenso selbstbestimmt den Killer-Erdmännchen im Opel-Zoo begegnen. Benno Funk, klarer Fall, ist bei der Polizei, unter Martin Mecklenburg stellen wir uns zu Recht einen ambitionierten Oberarzt vor, und von einem Ewald von Rosten können zweifelsohne nur Bratwürste kommen.

Die Karlis, Konnis, Schorsche und Maiers halten sich derweil auf den Rängen vergessenswürdiger Nebenfiguren auf.

Cover Tod im Taunus

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EROTISCH-KRIMINELL

 

DIE TOP SEX DER EROTISCHEN LITERATUR

Über „Sterbenslust“ von Paul Ott (Hg.) sagt Kleinhenz: „Sex, Liebe, Mord – was braucht es mehr für ein gutes Buch? Skurril, witzig, erotisch, düster. 21 Krimiautorinnen vereinen in heißen Kurzgeschichten Verbrechen und Lust. Mein Tipp: Sich gegenseitig vorlesen und danach zur Entspannung Sex!“

Quelle: Bild.de

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Tod im Taunus

 

21. November 2011 sschwammel

Der KBV Verlag hat schon mehrere Regionalkrimikurzgeschichten veröffentlicht. Diesmal zieht sich eine literarisch tödliche Spur durch den Taunus. Spannend, manchmal komisch und immer originell, das sind die 19 Kurzgeschichten von verschiedenen AutorInnen. Profunde Ortskenntnis laden auch dazu ein die jeweiligen „Auffindestellen“ von Leichen oder Handlungen zu besuchen. In Eschborn ist „Die Nackte“ am Rathaus Gegenstand einer gruseligen Geschichte. Näheres bitte selbst lesen, denn das macht Gänsehaut.

Die AutorInnen: Cornelia C. Anken (Friedrichsdorf), Horst Eckert (Eppstein), Karsten Eichner (Schlangenbad), Christiane Geldmacher (Glashütten), Almuth Heuner (Saalburg), Karr & Wehner (Eschborn), Wolfgang Kemmer (Taunus -Wunderland), Michael Kibler (Bad Homburg), Alexander Köhl (Großer Feldberg), Bernd Köstering (Kronberg), Susanne Kronenberg (Taunusstein), Tatjana Kruse (Opel-Zoo), Richard Lifka (Katzenelnbogen), Eva Lirot (Sulzbach), Christian Pfarr (Stephanshausen), Alexander Pfeiffer (Bad Schwalbach), Wolfgang Polifka (Hofheim), Nina Schindler (Idstein) und Regula Venske (Oberursel)

Der Taunus – Neunzehn Krimiautoren durchstreifen Wälder voller Naturdenkmäler, erklimmen prominente Gipfel, erforschen weite Täler und geheimnisvolle Ortschaften, spüren Mord- und Gruselgeschichten nach. Jeder auf seine Weise, jeder an einem anderen Ort. Spannend und vergnüglich, schaurig und schön. (schw)

RICHARD LIFKA (Hg.) Tod im Taunus Kriminelle Kurzgeschichten, KBV Verlag
Taschenbuch – 260 Seiten, ISBN 978-3-942446-21-1, € 9,90

Krimi Kommunale

Der Krimi Kommunale geht in die zweite Runde. Erneut hat sich der Wiesbadener Krimi-Autor Alexander Pfeiffer als Herausgeber auf die Suche nach Autoren gemacht, die bereit waren, sich schriftstellerisch in die Abgründe der kommunalen Verwaltungen zu begeben. Herausgekommen ist wieder eine spannende, düsterere, überraschende sowie heitere Sammlung von Kurzkrimis. Wer ist das Opfer, wer ist der Täter? Soviel können wir schon verraten: sie treiben alle ihr Wesen und Unwesen in Ämtern, Behörden und anderen kommunalen Institutionen.
Ich freue mich, dass ich meine Kurzgeschichte „Bum, Bum“ beisteuern durfte: Der Intendant der Mayener Burgfestspiele stürzt bei der Premierenvorstellung während der Aufführung von Turm der Mayener Burg.
Schnell wird klar: Er ist nicht freiwillig gesprungen …
In der Anthologie mit dabei:
Cornelia C. Anken – Unter Umgehung von Dienstwagen,
Guido M. Breuer – Geteilter Meinung,
Horst Eckert – Nacht über Schwerte,
Angela Eßer – Bayrische Henkersmahlzeiten,
Peter Godazgar – Helga sorgt für Ordnung,
Carsten Sebastian Henn – Henkerstropfen,
Thomas Hoeps –
Das Projekt Phoenix,
Karr & Wehner – Siebzehn gewinnt,
Thomas Kastura – Brückenmord,
Herbert Knorr – Ruhe in Frieden,
Susanne Kronenberg – Der Rattenkönig von Hameln,
Tatjana Kruse – Assistenten sind die Läuse in den Locken der Kommissare,
Richard Lifka – Todesgrüße aus dem Literaturhaus,
Sandra Lüpkes – Back to Bad Oldesloe,
Klaus Stickelbroeck – Prickelnd,
Thomas Askan Vierich – Ein verlockendes Angebot

Auf dem Mumienschlepper

LESUNG Christoph Maria Herbst und sein „Traum von einem Schiff“ im Kulturpalast Wiesbaden
Vom 08.11.2011
Von Richard Lifka

Wiesbaden. In stürmischen Böen fegte der Wind am Sonntagabend um den Betonklotz, der sich großspurig Kulturpalast nennt, wirbelte Blätter auf und signalisierte: Der Herbst kommt. Und Herbst kam. Na ja, sicherlich kein ganz neuer Kalauer und vor allem kein so gut gelungener, wie die, die neunzig Minuten lang in dem weiträumigen Saal auf die Zuhörer herniederprasselten. Christoph Maria Herbst las albtraumhafte Begegnungen aus seinem Buch „Ein Traum von einem Schiff“.

Sarkastischer Einstieg

Schon bei seinem Erscheinen tobten die zahlreich erschienenen Fans des Stromberg-Darstellers, der auch wie erwartet sarkastisch einstieg und die Gäste begrüßte: „Freue mich hier sein zu dürfen, hier in … wie heißt die Stadt noch gleich? Egal, jedenfalls nicht Mainz.“ War es Zufall, dass der scharfzüngige Schauspieler gerade an diesem Abend in Wiesbaden weilte, an dem aus der Stadt auf der anderen Rheinseite die Jubiläumsfolge von „Das Traumschiff“ ausgestrahlt wurde? Denn es war das ZDF, das per Gerichtsbeschluss ein Verbot des Buches durchsetzte, das seit Februar mit geschwärzten Passagen wieder im Handel ist.

Was Herbst darbot, war die Interpretation seiner traumatischen Erlebnisse rund um die Dreharbeiten zu einer Fernsehfolge „Das Traumschiff“. Ein Heer von sabbernden und muffelnden Greisen schienen sich auf dem Deck des Luxusschiffs versammelt zu haben. Zugegebenermaßen erscheint seine literarische Verarbeitung manchmal derb und heftig (MS stehe für Mumienschlepper), teilweise als angriffslustige Kollegenschelte (manche konnten ihren Text aus „hochprozentigen“ Gründen nicht), ansonsten war es ein wohl inszeniertes Gewitter aus geistreichen Wortspielen, humorvollen Slapstickszenen und sehr viel Selbstironie („.danach klang meine Würde nach Konjunktiv“).

Fast auswendig gespielt

Denn das war es, eine Inszenierung, weit entfernt von einer Lesung, wie man sie üblicherweise erwartet. Fast auswendig spielte er vor, was er geschrieben hatte, vor allem aber auch, was nicht im Buche steht. Das luftverbrennende Lachen des Produzenten Wolfgang Rademann wirkt gelesen sicherlich weniger humorvoll, genauso wie der Dialog in einer Drehpause auf der MS Deutschland zwischen einem aus der Eifel stammenden Metzger, der unbedingt Schauspieler werden will und für Christoph Maria Herbst so zur Lachnummer wird. Ärgerlich war eigentlich nur, dass es keine Werbeunterbrechungen gab, wie es der Stromberg-SerienLiebhaber scheinbar gewohnt ist, denn es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen des Publikums, wohin auch immer. Aber, um frei nach Herbst zu enden: Dies ist das Leben und das Leben ist ein Glück.