Land in Krimihand

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TOD IM TAUNUS Neuer Band mit Kurzgeschichten
Vom 08.12.2011
Von Viola Bolduan

Wiesbaden . Ja, da killen sie wieder, die bekannten Krimi-Autorinnen und -Autoren aus Wiesbaden und Umgebung: Christiane Geldmacher und Alexander Pfeiffer, Susanne Kronenberg und Richard Lifka, die Krimi-Stipendiaten Horst Eckert und Regula Venske und manch andere mehr. Das Besondere am neuen Band krimineller Kurzgeschichten liegt nicht in der Art, wie gekillt wird, noch an der, wie ermittelt wird, sondern am Ort des Geschehens. Alle Fälle der 19 Autorinnen und Autoren spielen im Taunus – vorgegebene Aufgabe für den Regional-Krimi der Reihe „Mordlandschaften“, in der er als Band 9 erscheint.

Sisi oder nicht?

Der Taunus ist eigentlich wie jede Landschaft – nur, dass die hier Ansässigen sie in ihrer Beschreibung und Historie wiedererkennen können. Deshalb müssen auch Details der Schilderung stimmen, weil sie realiter beäugt werden, und Geschichten aus der Geschichte sollten zuverlässig recherchiert sein. Davon ist beim Wiesbadener Autor Karsten Eichner auszugehen, wenn er in seinem Krimi „Die falsche Schlange“ Kaiserin Sisi (oder ist sie es gar nicht?) in Schlangenbad Quartier nehmen lässt und auf Fakten eine Fiktion aufbaut.

Michael Kiblers höchst spannender Profikiller-Wettbewerb „Die Liste“ hatte der Darmstädter als Krimi-Stipendiat in Wiesbaden schon vorgelesen – jetzt ist er lohnend zum Nachlesen angeboten. Spielt übrigens in Bad Homburg und gehört damit zu den Krimis, die in die Nähe zum östlichen Hochtaunus rücken und Eppstein, Oberursel bis hin zum Großen Feldberg als unsichere Gegenden ausmachen.

Wiesbaden aber kommt selbstverständlich auch vor – als Stadt eines Raubüberfalls (Wolfgang Kemmer: „Alex im Wunderland“) und Metropole, auf die man sich ländlich-schändlich zwar beziehen kann, kriminaltechnisch am besten aber hinter sich lässt. So, wie Alexander Pfeiffer in seinem atmosphärisch dichten, düsteren Psychogramm „Das Tor nach draußen“ verfährt und in Bad Schwalbach ankommt.

Dramatik mit Tieren

Innerhalb der Geografie der Taunuslandschaft sind Verwicklungen und Auflösungen bunt gemischt: Es gibt Überraschung (Horst Eckert; „Abgehört“), Erpressung (Susanne Kronenberg: „Am Limes“), Tiere in skurriler Dramatik (Tatjana Kruse: „Die Killer-Erdmännchen“) und allerliebste Schmonzetten (Nina Schindler: „Das Geheimnis des Killingerhauses“). Und es gibt Bratwurst! Wer wohl hätte sie in Katzenelnbogen vermutet? Richard Lifka, Krimikenner und Herausgeber dieses Bandes.

Die Geheimnisse des Fleisches in „Die Erfinder der Bratwurst“ sind amüsant und hinterlassen eine Wurst mit offenem Ende. Am sicheren Ende des Tages zieht eine neue krimitaugliche Generation ein – aus den Seniorenresidenzen. Regula Venske („Vergraben in Oberursel“) geht sehr vorbildlich mit dem heiklen Thema um.

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