Dann sag halt Butterblume

LITERATURHAUS Eva Mattes liest aus ihrer Autobiografie / Viele Höhen und Tiefen

 

03.02.2012 – WIESBADEN

Von Richard Lifka

Die Schauspielerin Eva Mattes ist spätestens seit ihrer Rolle als Tatort-Kommissarin einem breiten Publikum bekannt. Seit 2002 ermittelt sie als Klara Blum am Bodensee. Doch ihren Ruhm erwarb sie sich schon viel früher, gilt sie doch als eine der wichtigsten Darstellerinnen des Neuen Deutschen Films und ist ebenfalls an allen großen deutschsprachigen Bühnen als Theaterschauspielerin bekannt.

Die mit großen Auszeichnungen geehrte Österreicherin, vom Filmband in Gold bis hin zum Deutschen Filmpreis, arbeitete aber auch als Synchronsprecherin (Lassie, Pipi Langstrumpf) und als Sprecherin in vielen Hörspielen und Hörbüchern. Letzteres war wohl der Grund, sie zum 11. hr2-hörfest nach Wiesbaden einzuladen.

Natürlich war der Andrang groß, das Literaturhaus bis auf den letzten Platz besetzt, von Presse, Funk und Fernsehen das Ereignis digital festgehalten. Dass ein Mensch, der seit seinem zehnten Lebensjahr im Film- und Theatergeschäft ist und mit Künstlern wie Peter Zadek, Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog, um nur ein paar zu nennen, zusammenarbeitete, etwas zu erzählen hat, leuchtet ein. Eva Mattes hat ihre Erinnerungen 2011 veröffentlicht.

„Wir können nicht alle wie Berta sein“, so der Titel der Biografie. Wer ist Berta, fragt sich da der Leser und Mattes erklärte es: Es ist ein Zitat aus Ibsens Schauspiel „Die Wildente“, das sie und zufälligerweise auch der Schauspieler Ulrich Wildgruber verwendete. Berta gilt als Symbol für jemanden, der sein Leben meistert. Höhen und Tiefen im Berufs- und Privatleben bekamen die Besucher zu hören und wurden oft mit großem Erstaunen, befreitem Lachen oder verstehendem Nicken aufgenommen.

Besonders die Geschichten rund um skandalträchtige Produktionen sind sehr publikumswirksam. Sei es der erste deutsche Fernsehskandal mit „Wildwechsel“ oder die legendäre Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg 1976 mit Ulrich Wildgruber als Othello und Eva Mattes als Desdemona. Nicht nur die schwarze Farbe, die sich auf Desdemonas lediglich mit einem Bikini bedeckten Körper übertrug, ließ das Publikum und die gesamte Theaterwelt aufschreien. Zur Hälfte verzückt, zur Hälfte empört.

Genauso zwiespältig wurde 1970 der Film „o.k.“ aufgenommen. Michael Verhoevens Antikriegsfilm, in dem die Vergewaltigung und Tötung des Mädchens Phan Ti Mao (Eva Mattes) durch Soldaten brutalst dargestellt wird, und letztendlich dazu führte, dass die Jury der Berlinale zurücktrat.

Wie persönlich und offen Mattes ihr Leben erzählt, zeigen allerdings die kleinen, weniger spektakulären Erwähnungen wie zum Beispiel die Benennung ihrer Knallphobie. Sie führte dazu, dass Schussszenen stets ohne Platzpatronen gedreht und später nachvertont werden mussten und der Regisseur nicht mehr das Wort „Schuss“ rufen durfte. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, schlug ein Kollege dem Regisseur vor: „Dann sag doch halt Butterblume“. Was er von dann auch tat.