Gudrun Landgrebe liest in Eltville aus Émile Zolas „Herrn Chabres Kur“

 

28.08.2012 – ELTVILLE

Von Richard Lifka

„Herr Chabre haderte mit dem Schicksal, weil seiner Ehe der Kindersegen versagt blieb.“ So beginnt Émile Zolas heitere Geschichte, die unter dem Titel „Herrn Chabres Kur“ erschienen ist. Damit dem Eltviller Publikum sofort klar war, worum es darin geht, hatten die Veranstalter den Untertitel „Das Aphrodisiakum“ herbei bemüht. Eine literarisch-musikalische Matinee mit frivolem Hauch sollte es werden. Die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin Gudrun Landgrebe war dazu die richtige Wahl, da ihr, seit ihrem ersten großen Erfolg als Domina in „Die flambierte Frau“, das Etikett der erotischen Verführerin anhängt.

Professionell abgeklärt trug sie den Text im Stehen vor und trotzte dabei allen Widrigkeiten. Sei es den aufbrausenden Sturmböen, die Bäume bogen und Blätter und Mikrofone rauschen ließen, tieffliegenden Flugzeugen oder einsetzendem Regen. Es war mutig von den Veranstaltern, die Lesung im Hof des Langwerth von Simmern’schen Weinguts durchzuführen und nicht zu verlegen. Die meisten der 300 Gäste waren gut vorbereitet. Mit Regenjacke, Schirm und Wolldeckegewappnet lauschten sie Landgrebe fasziniert. Freilich hätte man sich die eine oder andere Ansprache, einen kleinen Kommentar oder eine nicht eingeübte Reaktion der Schauspielerin gewünscht. Selbst während der musikalischen Einlagen saß sie regungslos.

Sinnlich lockende Töne

War das Wetter auch unangenehm, so passten die Harfentöne, die quirlig gezupften Melodien, mal dunkel drohend, mal übermütig hüpfend und oft sinnlich lockend wunderbar. Gespielt wurde dieses beeindruckende Instrument von der wohl begehrtesten tschechischen Harfenistin ihrer Generation Katerina Englichová.

Zurück zu dem Problem des Herrn Chabre, dem vermögenden ehemaligen Getreidehändler. Dem guten Rat seines Arztes folgend reiste er mit seiner schönen zweiundzwanzigjährigen Gattin Stella in den kleinen Badeort Piriac, um sich einer Kur zu unterziehen. Die Kur bestand darin, dass Monsieur täglich so viele Schalentiere verspeiste, wie es ihm möglich war, also Muscheln, Austern, Krebse und Langusten. Wie es sich gehört, gab es an diesem Ort den wunderschönen Jüngling Hektor, der sich, wie nicht anders zu erwarten war, in Stella verliebte und sie verführte.

Chabre merkte von all dem nicht – oder wollte er es nicht merken? Die Kur war jedenfalls in jeder Hinsicht erfolgreich. „Neun Monate nach ihrer Rückkehr von Piriac genas die schöne Frau Chabre eines Knaben …“

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