Jan Seghers stellt beim Rheingau Literatur Festival seinen noch unveröffentlichten Krimi vor

Das Rheingau Literatur Festival ist immer für eine Überraschung gut. Nicht was die Lokalität anbelangt, denn das Kellergewölbe der Sektkellerei2013 02 01 Lesung Jan Seghers Bardong in Geisenheim gehört schon lange zu den Stammplätzen dieser Veranstaltung. Nicht was den Moderator und künstlerischen Leiter Heiner Boehncke und auch nicht was den Gast betrifft. Der in Frankfurt lebende Autor Jan Seghers war nicht zum ersten Mal eingeladen.

Die Überraschung war der Text, den Matthias Altenburg (so sein wirklicher Name) mitgebracht hatte. Es war ein unfertiger Text, ein Roman in Arbeit, am Anfang des Entstehens, oder wie Boehncke meinte, wie der 2012er Rheingauer Riesling im Gärungsprozess. Im Gegensatz zum Wein, der dieses Jahr noch auf die Flaschen gezogen wird, sei das Veröffentlichungsdatum des Krimis unbekannt, läge in weiter Ferne. Es sei vorweggesagt: Spannender und interessanter kann eine Lesung nicht sein.

Tatort Schwarzenfels

Gespannt war der Autor, wie das wirken würde, was er im stillen Kämmerlein geschrieben, was noch kein Lektorat durchlaufen und was noch nie vorgelesen wurde. Gespannt war das Publikum, welcher Fall Hauptkommissar Marthaler in dem neuen, langersehnten Krimi erwartet und ganz besonders der Moderator.

Denn Seghers war bei der Suche nach einem Handlungsort auf Schwarzenfels gestoßen. Schwarzenfels ist ein Ortsteil von Sinntal im Main-Kinzig-Kreis und der Geburtsort Boehnckes. Wie wichtig gerade dieses „Anfangs-Setting“ für ihn sei, betonte der Autor mehrmals. In entspannter und lockerer Atmosphäre erzählte er, wie er auf den Plot kam, also die Haupthandlung von „Die Sterntaler-Verschwörung“ (so der vorläufige Titel).

Das waren zum einen die Hintergründe und die damit verbundene Wirtschaftskriminalität im Zusammenhang mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens, zum anderen die Vorgänge nach der hessischen Landtagswahl 2008 und dem Scheitern der SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti sich zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Jan Seghers ließ sich nicht überreden, mehr zu verraten, wenn Boehncke es auch immer wieder versuchte. Das sei alles noch nicht spruchreif. Da verrieten die Textpassagen, die er vorlas, wesentlich mehr. Die erste Szene spielt in einem Flugzeug, ein langjähriger Ministerpräsident, momentan nur geschäftsführend, kehrt von einer Auslandsreise zurück, und zwar genau in der Situation nach dem Wahl-Patt 2008.

Die zweite Passage spielt im schon erwähnten Schwarzenfels und ist dermaßen spannungsgeladen, dass es plötzlich totenstill wurde, kein Laut im Kellergewölbe zu hören war, außer der tragenden Stimme des Erzählers.

Ein künftiger Bestseller?

Ein erleichtertes Aufatmen ging durchs Publikum, als Seghers aufhörte und gleichzeitig ein enttäuschtes Stöhnen darüber, dass die Geschichte endete. Wenn das Buch das hält, was die beiden vorgetragenen Auszüge versprechen, dann kann es nur ein Bestseller werden.

05.02.2013 – GEISENHEIM

Von Richard Lifka

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