Was war, was ist, was kommt

PRESSECLUB Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg steht Rede und Antwort

WIESBADEN. Seit Beginn dieser Spielzeit ist Uwe Eric Laufenberg Intendant des Hessischen Staatstheaters. Auf Einladung des Presseclubs kam er in die Villa Clementine, um Moderatorin Viola Bolduan über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges Rede und Antwort zu stehen. Zunächst ging es um die viel diskutierten neu gestalteten Programmhefte und Flyer (Farbe und Tiere). Sie hätten genau das erreicht, was ihre Aufgabe sei: durch den Wiedererkennungseffekt wahrgenommen zu werden. Weitaus kontroverser wurde die Diskussion über Aufführungen und neue Konzepte geführt und diese wären, so Laufenberg, dennoch oder gerade deswegen, stets ausverkauft. Die Wiesbadener seien zwar leicht zu erregen, dann aber aufgeschlossen, heiter und zum Umdenken bereit.

Über 900 Vorstellungen

Wie viel Spaß es dem 1960 in Köln geborenen Schauspieler und Regisseur macht, über sich, sein Theater und seine Pläne zu sprechen, erkannten die Mitglieder des voll besetzten Presseclubs sofort. Aber man spürte auch die Routine und die schauspielerische Begabung, mit der er jede Frage offen, wohl formuliert und ausführlich beantwortete. Stolz sprach er von den über 900 Vorstellungen einer Spielzeit oder der großen Generationsspanne, die das Theater erreicht, vom achtjährigen Schüler bis hin zu Senioren.

Zu den einzelnen Sparten befragt führte er aus, dass das neue „Konzept der Serie“ im Opernbereich, also Aufführungen von aufwendigen Produktionen dicht aufeinanderfolgen zu lassen und nur eine begrenzte Zeit zu spielen, zunächst zwar kritisch betrachtet wurde, nach und nach aber vom Publikum angenommen werde. Auf alle Fälle sei dies sinnvoll. Das Theater spare Ressourcen im Bereich der Technik, was wiederum Kosten senke, gleichzeitig würde die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit permanent hochgehalten und somit zu einer über 90-prozentigen Auslastung führen. Im Schauspiel müsse man die Idee der Themenprojekte neu überdenken, genauso wie das Konzept der Wartburg, wo die Abkehr vom reinen Unterhaltungstheater noch nicht gelungen sei. Um das zu verbessern, sind zwei große Produktionen geplant, von denen er sich viel verspricht.

Die Neuausrichtung des Balletts und die Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Theater seien gelungen, „Aschenputtel“ sei immer ausverkauft. Dies ist ein Grundstock, um die Anzahl der Ballettaufführungen in der nächsten Spielzeit zu erhöhen. Für den Anfang schon viele Veränderungen, aber Theater müsse sich bewegen, müsse stets etwas mit den Menschen zu tun haben. Das sei sein Bestreben.

Bauliche Veränderungen

Damit dies weiterhin gelingt, müssten noch viele Dinge in Angriff genommen werden, wie zum Beispiel bauliche Veränderungen: ein Aufzug im Großen Haus, damit der dritte Rang leichter zu erreichen ist oder im Foyer, um die lästige Schlangenbildung zu vermeiden. Aber auch im Verwaltungsbereich müsse neu gedacht werden. Die Form der Kameralistik, nach der das Staatstheater geführt werde, sei veraltet und müsse durch ein neues, auf wirtschaftlicher Grundlage basierendes System ersetzt werden. Etwa wie bei einer GmbH. Dies hoffe er mit dem zukünftigen neuen Verwaltungsdirektor in Angriff nehmen zu können und, und, und.

Lang ist die Liste, was zu tun ist, was ansteht, aber auch was bevorsteht. Im nächsten Monat die Maifestspiele, danach die Hessischen Theatertage und Anfang der Spielzeit 2016/17 die Biennale.

Wiesbadener Kurier Stadtausgabe vom 16.04.2015, Seite 20
Von Richard Lifka

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