Mit Wölbbrettzither und Klangschalen

DICHTKUNST Haiku-Abend in der Mediathek

Nicht nur Stadtrat Helmut Nehrbaß, der die Grußworte und einen Scheck des Magistrats der Landeshauptstadt überbrachte, war erstaunt über die große Anzahl der Besucher. Auch die Veranstalter selbst. Trotz des sommerlichen Samstagabendwetters und des Champions League-Finales im Fernsehen, mussten noch schnell zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden.


Viele hatten den Weg in Wiesbadens neue Mauritius-Mediathek gefunden, um sich in fernöstliche Atmosphäre durch Musik, Gesang und Gedichtsvorträge entführen zu lassen. Anlässlich der Tagung der Deutschen Haiku-Gesellschaft in der Jugendherberge hatte die Wiesbadener Gruppe rund um die emeritierte Professorin der Fachhochschule, Rita Rosen, diesen Abend organisiert und liebevoll gestaltet.

Gedichte und Musik

Die Veranstaltung war in drei Blöcke aufgeteilt. Zunächst trugen die Haijin (Haiku-Autoren) jeweils vier ihrer dreizeiligen „scherzhaften Verse“ zwei Mal vor. Jeder leitete seine Gedichte durch drei Schläge auf ein Klanginstrument (Klangschale, Zimbel, Gong) ein und beendete sie ebenso.

Die Mediatheksleiterin Irene Friedrich-Preuß begann unter dem Titel „Universum“, gefolgt von Werner Henz („Himmelserscheinungen“) und Hildburg Türke („Die Rosen blühen“). Mit der traditionellen und heute noch gepflegten japanischen Kunst des Kaiserhofes, dem Spiel der Koto, einer mit 13 Saiten bespannten und über 1,80 Meter langen Wölbbrettzither, meisterhaft beherrscht von Miyoko Oshima, wurde der nächste Block eingeleitet. Renate Thümler („Haikus zum Schmunzeln“), Michael Ziesner („Jahreszeiten“) und Rita Rosen („Ansichten von Wiesbaden“: „Wiesbaden du Schöne – drei Lilien im Haar – gleichst einer Geisha“) gestalten den zweiten Teil, bevor sich alle im Kreise aufstellten, zusammen mit dem jeweiligen Klanginstrument weitere selbst geschriebene Haikus vortrugen.

Das alles hinterließ einen sehr harmonischen, ruhigen und entspannten Eindruck, auch wenn es wohl für den einen oder anderen das erste Mal war, dass er seine Werke öffentlich las. Zum Ausklang spielte und sang Miyoko Oshima drei Lieder mit den Titeln „Regenpfeifer“, „Kirschblüte“ und „Der Flaschenkürbis“ – sehr gekonnt und variantenreich, vielleicht etwas zu lange.

Warum die Harmonie des Abends immer wieder durch Probleme mit einem sich verselbstständigenden Mikrofonständer unterbrochen werden musste, ist unverständlich, wo man doch gerade in einer Mediathek davon ausgehen sollte, dass jemand mit der Funktionsweise eines derartigen Gegenstandes vertraut ist. Dies verdarb aber weder dem Publikum noch den Haiku-Künstlern den Spaß und Genuss.

Wiesbadener Kurier Stadtausgabe vom 08.06.2015, Seite 18

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